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02| politische Themen » Das Geschwätz vom Wachstum
13Apr

Das Geschwätz vom Wachstum

Die folgenden Ausführungen sind kein Protokoll, sondern ein persönlich gefärbter Bericht von Peter Böer, der lediglich ein diskutiertes Problemfeld charakterisieren soll.

Das letzte Ortsverbandstreffen (11. April 2005) war der Diskussion eines grundlegenden Sachthemas gewidmet: Der (nicht nur) von fast allen Politikern vertretenen Wachstumsideologie.

Das Geschwätz vom WachstumAusgangsbasis war ein Referat über ein Kapitel aus dem Buch „Das Geschwätz vom Wachstum“ der Schweizer Autoren Urs P. Gasche und Hanspeter Guggenbühl (2004) und ein Artikel aus „schrägstrich“ vom 01.02.2005 über grüne Wirtschaftspolitik (Das richtige Maß finden, S. 12).

Eine kritische Hinterfragung des Wirtschaftszieles Wachstum wir in unserer Gesellschaft fast gänzlich mit einem Tabu belegt, obwohl sich jedem nüchternen Menschenverstand die Fragwürdigkeit dieser Ideologie geradezu aufdrängt.

Ein jährliches Wachstum unseres Bruttoinlandsproduktes (BIP: Wert aller im Lande hergestellten Güter und erbrachten Dienstleistungen) um 3 %, wie es für erstrebenswert erklärt wird, um Arbeitsplätze zu schaffen, bedeutet in knapp 25 Jahren eine Verdopplung der Güter und Dienstleistungen, in knapp 50 Jahren eine Vervierfachung und in knapp 100 Jahren eine Versechzehnfachung!

Wer soll diese Güter und Dienstleistungen kaufen? Nicht nur unsere Gesellschaft, alle Menschen in allen Ländern streben nach einem solchem Wachstum! Wer fragt danach, wohin ein solches Wachstum führt, welche Folgen es für die Umwelt und für die begrenzten Naturschätze unserer Erde hat? Unsere Erde, das wissen wir, ist ein kleiner Planet mit begrenzten Ressourcen. Es kann kein unbegrenztes Wachstum geben, die Wachstumsideologie ist ein kollektives Selbstmordprogramm. Das kann jeder Mensch verstehen, der etwas nachdenkt.

Was sagen unsere grünen Politiker zu dem Thema? Sie sprechen von „nachhaltigem“ Wachstum, von mehr Effizienz des Wirtschaftens, um Energie und Rohstoffe zu sparen.

Alles richtig, nur recht das in langfristiger Perspektive? Immerhin, Reinhard Loske sagt in dem angegebenen Artikel im „schrägstrich“: „Für mich ist aber die Wachstumsfixierung unserer Ökonomie ein generelles Problem.“ Im Ganzen ist es lauwarme Stellungnahme. Muss nicht viel grundsätzlicher diskutiert werden?

Heißt mehr Wachstum heute wirklich = mehr Arbeitsplätze, in einer Zeit, in der die technischen Möglichkeiten, Arbeitsplätze wegzurationalisieren explosiv wachsen? In einer Seit, in der die vielberufene Globalisierung dem profitgierigen Kapital alle Möglichkeiten bietet, die Menschen auszubeuten: Es gibt immer noch einen Winkel auf der Erde, wo die Menschen so arm sind, dass sie für Minimallöhne arbeiten.

Fragen über Fragen, Probleme über Probleme! Man kann sich nur wundern, über was
für Fragen angesichts solcher existenzieller Probleme in unserer Politik und in unserer Medienlandschaft gestritten wird.

In diesem Zusammenhang sollten wir auch überdenken, welche Aufgabe wir als Ortsgruppe einer Partei haben. Natürlich sollen und wollen wir für die Ziele unserer Partei werben, Wahlkämpfe vorbereiten und führen. Aber sind wir nur dazu da, Kärrnerarbeit für „die da oben“ zu leisten? Wir wollen uns auch als „Aufsichtsrat“ für „die da oben“ verstehen, die so leicht abheben von der Erde, wenn sie erst in Machtpositionen sitzen. Wir sollten sie zwingen, sich den existenziellen Zukunftsfragen zu stellen, in dem wir ihnen durch unsere Diskussion diese Fragen aufdrängen.

Einfache Rezepte und Antworten gibt es nicht, aber der erste Schritt auf eine Lösung hin ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, und an der fehlt es; letztlich auch in unserer Partei, seit sie an der Macht teilhat.

Verfasst am 13.04.2005 um 17:37 Uhr von mit den Stichworten .

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