Weiter zum Inhalt
04| Grüne Interna » Die Gründung der Grünen Partei (1978)
21Aug

Die Gründung der Grünen Partei (1978)

Peter Böer ist das „dienstälteste“ Mitglied in unserem Ortsverband. In diesem persönlichen Bericht erinnert er sich an die Zeit der Gründung der Grünen Partei 1978.

Zur Entstehungsgeschichte der Grünen

Ein persönlicher Bericht

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts herrschte in weiten Kreisen eine ökologische Aufbruchstimmung. Bücher wie „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson oder „Ein Planet wird geplündert“ von Herbert Gruhl und eine Flut weiterer Schriften reflektierten ein um sich greifendes kritisches Bewußtsein gegenüber der maßlosen Ausbeutung und Belastung unserer Umwelt und eine Suche nach Wegen, die eine Schonung der Natur, eine Wiedereinordnung des Menschen in natürliche Kreisläufe versprachen. Es war der Wunsch, mit der Natur, nicht gegen sie zu leben. Auch die Anti-Atomkraftbewegung zehrte mit aus diesen Quellen.

Ich komme aus der Naturschutzbewegung und bin von dieser Aufbruchstimmung lebhaft erfaßt worden. Mit Enttäuschung und Empörung registrierte ich, daß alle politischen Parteien diese ökologisch-kritische Bewegung weitgehend ignorierten. 1978 standen in Niedersachsen Landtagswahlen an. In dem Jahr davor war ich so frustriert, daß ich ernsthaft erwog, aus Protest nicht zur Wahl zu gehen. Ich hatte bis dahin Wahlrecht immer als selbstverständliche Wahlpflicht angesehen. Nun überlegte ich, wie ich meinen Protest öffentlich machen könnte, vor allem seine Begründung.

In dieser Situation erfuhr ich von einem gleichgesinnten Kollegen von Bestrebungen, eine Umweltschutz-Partei zu gründen. Ich ging mit zu einem diesbezüglichen Vortrag und ließ mich überzeugen, daß stiller Protest nichts bewirkt, daß aktiv etwas Positives unternommen werden muß. Die Frage war nur, ob es erfolgversprechender war, in die bestehenden Parteien einzutreten und „grüne Flügel“ zu bilden, oder ob es sinnvoller sei, eine eigenständige Partei zu gründen. Die Entscheidung fiel zugunsten einer neuen Partei, obwohl sich das Parteiensystem der Bundesrepublik im Sinne einer politischen Flurbereinigung auf ein Zweiparteiensystem hinzubewegen schien.

Die Gründungsversammlung der USP (Umweltschutzpartei Niedersachsen) fand im evangelischen Gemeindehaus in Schwarmstedt statt. 22 Personen waren anwesend, 20 von ihnen unterschrieben, darunter auch ich. Ziel war zunächst die Teilnahme an der niedersächsischen Landtagswahl 1978. Innerhalb weniger Monate mußten für die öffentliche Anerkennung der Partei in den 99 niedersächsischen Wahlkreisen Unterschriften gesammelt und Initiativgruppen gebildet werden. Das gelang nach meiner Erinnerung in 98 Wahlkreisen.

Inzwischen waren auch in anderen Regionen Niedersachsens Bestrebungen zur Gründung einer Öko-Partei im Gange. An der Koordinierung der verschiedenen Gruppen war ich nicht beteiligt, ich beschränkte mich auf die Arbeit vor Ort. Jedenfalls gelang es, zur Landtagswahl 1978 mit einer einheitlichen Partei unter dem Namen „Grüne Liste Umweltschutz“, GLU, mit dem schönen Symbol des Grünen Regenschirms anzutreten. Das Wahlergebnis war für uns eine Enttäuschung, die Partei erreichte nur 3,5% der Stimmen. Dennoch hat sich der Weg, eine eigenständige Partei zu bilden, wie wir heute wissen, als richtig erwiesen. Der Name der Partei hat sich noch zweimal geändert, das Themenspektrum des Programms hat sich notwendigerweise auf das gesamte politische Feld verbreitert, doch geben die ökologischen Anliegen BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN das charakteristische Gesicht.

Peter Böer, im August 2006

Verfasst am 21.08.2006 um 18:40 Uhr von .

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
58 Datenbankanfragen in 0,394 Sekunden · Anmelden