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02| politische Themen » Schulpolitik in Burgwedel
15Jan

Schulpolitik in Burgwedel

Anmerkungen von Olaf Slaghekke zur Informationsveranstaltung für die ElternvertreterInnen aller Klassen am 6. Januar 2011 zum Thema: „Veränderung der Schullandschaft in Burgwedel“

Hintergrund der Diskussion:

Die Schulform einer IGS darf aus rechtlichen Gründen in Burgwedel nicht umgesetzt werden. Denn Sie darf aufgrund der landespolitischen Vorgaben nur als zusätzliche Institution zum bestehenden Schulsystem und bei garantierter Fünfzügigkeit eingerichtet und geführt werden. Dies ist für kleinere Kommunen, zu denen auch Burgwedel zählt, das K.O.-Kriterium.

Als „schulpolitisches Erfolgsmodell“ der Zukunft wird die niedersächsische Landesregierung nun die „Oberschule“ einführen.

Dies, obwohl aus pädagogischer Sicht:

der GEW und Philologenverband sich einig sind in der Ablehnung der Oberschule als zukunftsreiche Schulform in Niedersachsen.“

wie auch aus der Sicht des Landeselternrats:

Es ist nicht nachzuvollziehen, dass Oberschulen mit Gymnasialangebot dreizügig errichtet werden dürfen, Integrierte Gesamtschulen aber im Regelfall nur fünfzügig. Und warum sollen Oberschulen andere Schulen ersetzen können, Integrierte Gesamtschulen aber nicht?“

erhebliche Bedenken unter den Tisch gekehrt werden.

Aufgrund dieser Tatsache wird auch im Rat der Stadt Burgwedel, insbesondere im Schulausschuss, seit einiger Zeit über die Ausgestaltung einer Oberschule mit oder ohne gymnasialen Zweig beraten.

Nun sollten am 6. Januar 2011, aufgrund einer gemeinsamen Einladung des Stadtelternratsvorsitzenden Herrn Weimann und unseres Bürgermeisters Herrn Dr. H. Hoppenstedt, erstmalig auch die Elternvertreter der Stadt informiert werden.

Hierzu einige persönliche Randbemerkungen zum ersten Infoabend:

Vorab: Ich begrüße den Informationsaustausch zum Thema „Oberschule“, der nun auch die Bürger in Burgwedel zu diesem wichtigen Zukunftsthema einbezieht, sehr.

Als ein Elternvertreter unserer Grundschule war auch ich vom Stadtelternrat zu dieser Veranstaltung mit dem Thema: „Veränderung der Schullandschaft in Burgwedel“ eingeladen worden.

In der Hoffnung, dort neutral und ausgewogen über die unterschiedlichen Konzepte informiert zu werden, folgte ich der Einladung gerne.

Vorab hatte ich die Eltern meiner Klasse befragt und um Anregungen und Mitwirkung gebeten. Ich habe Informationen und unterschiedliche Ansichten in der Presse und im Internet zusammengestellt und allen interessierten Eltern zugänglich gemacht.

Da ich mich selber erst einmal in die Thematik einarbeiten musste und selber keine pädagogische Ausbildung besitze, regte ich im Vorfeld an, doch Vertreter (mit pädagogischem Hintergrund) beider Sichtweisen (OS mit und ohne gymnasialem Zweig) einzuladen.

Leider konnte meiner Bitte nicht entsprochen werden und die dargebotenen Informationsübermittlung beschränkte sich auf die Ausführungen von Herrn Dr. H. Hoppenstedt und Frau Concilio.

So waren denn auch Presse und andersdenkende Pädagogen auf der ersten Infoveranstaltung im Amtshof nicht eingeladen worden. Ein „Brainstorming“ oder etwa Kritik an den bildungspolitischen Vorgaben der Landesregierung war ebenfalls nicht gefragt.

Die große Zahl von TeilnehmerInnen (ca. 100) zeigte mir, dass ein großer Informationsbedarf in den Reihen der ElternvertreterInnen bestand.

Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn sich alle Beteiligten schon etwas früher zusammengefunden hätten. Aufgrund der bisherigen Informationspolitik der Stadt schienen sich die Fronten zwischen den verschiedenen Interessengruppen, ähnlich wie auch schon bei der Diskussion um die Biogasanlage in Thönse, bereits wieder zu verhärten.

Vielmehr waren alle Anwesenden dazu aufgerufen, ihre Beiträge nur auf das Thema „Oberschule“ zu begrenzen.
Dies finde ich umso bedauerlicher, da gerade die Zusammenarbeit im Kreise der Pädagogen, Eltern und Schüler in der Zukunft wichtiger den je für den Bildungserfolg unserer Kinder sein wird. Im Endeffekt wird uns nicht der soundsovielte Systemwechsel im Bildungssystem, sondern die kreative und engagierte Mitarbeit aller Beteiligten an der Ausgestaltung weiterbringen.

Hier einige angesprochene Punkte aus dem Vortrag:
– seit Jahren schrumpfende Anmeldezahlen an unserer Haupt- und Realschule,
– immer mehr Eltern fühlen sich vom Konzept der IGS angezogen und versuchen, ihre Kinder nach der Grundschule in Langenhagen oder Mellendorf anzumelden, obwohl lange Schulwege und weniger Freizeit für die Kinder die Folge sind,
– die Stadt hat bald eine leere Hauptschule und bezahlt jedes Jahr mehr Geld für den auswärtigen Schulbesuch (2011 = 170.000 €) und möchte dieses Geld natürlich sinnvoller einsetzen,
– betrachtet man die Sache betriebswirtschaftlich, dann könnte man auch sagen: „Die Stadt muss ein wettbewerbsfähiges Produkt „Schule“ schaffen, um gegen die IGS konkurrenzfähig“ zu werden.“

Schulleitung und Schulvorstand des Gymnasiums sind nun vor einigen Monaten tätig geworden und bieten der geplanten Oberschule ihre Unterstützung an (aber scheinbar nur, wenn sie ohne den gymnasialen Zweig geführt wird).
– bei dem Modell ohne gymnasialen Zweig sollen die SchülerInnen 13 Jahre Zeit bekommen, ihr Abitur zu machen, in der Variante mit gymnasialen Zweig nur 12 Jahre (hier sollte, wie ich finde, für wechselwillige Realschüler auch das Abitur in 13 Jahren möglich sein)
– Kooperation mit den berufsbildenden Schulen; aber nur bei der Variante ohne gymnasialen Zweig


Aber was waren die wesentlichen Wünsche und Bedenken der Eltern?

– der Druck, sich für eine Schulform entscheiden zu müssen, sollte möglichst mehr nach hinten verschoben werden.
– eine möglichst flexible, integrative, durchlässige Schulform
– einige Kinder entwickeln sich etwas langsamer und starten später durch. Hier wünschen sich die Eltern mehr Durchlässigkeit in der Schulform.
– Angebot einer pädagogische Ganztagsbetreuung
– 13 Schuljahre wären für die eine Schülerin oder den anderen Schüler besser

Das hört sich alles ganz vernünftig an.
Macht man sich dann die Mühe, den/die Erlasse der Niedersächsischen Landesregierung zur IGS durchzulesen, so wird man viele Parallelen feststellen können.

Da stellt sich für mich die Frage: „Müssen wir jetzt in Burgwedel die Versäumnisse einer verfehlten Bildungspolitik unserer Landesregierung ausbügeln und uns eine IGS selber basteln?“

Während in der PISA-Studie internationale Vergleiche gezogen werden, man in Deutschland um eine länderübergreifende Angleichung der Ausbildung bemüht ist, reicht die niedersächsische Landesregierung den „schwarzen Peter“ weiter an die regionalen Schulträger.


Ich bin sehr für eine Beteiligung der Bürger. Aber trägt das wirklich zu einer homogenen Schullandschaft in Deutschland bei, wenn jetzt jede Stadt ein anderes Schulkonzept entwerfen muss?
Wäre es da nicht einfacher, die Zulassungsvoraussetzungen für die IGS zu vereinfachen und ebenfalls Dreizügigkeit zuzulassen?


Für zukünftige Veranstaltungen würde ich mir wünschen,

– dass die Presse zugelassen wird.

– dass Informationen für und wider einer Oberschule mit und ohne gymnasialem Zweig aus pädagogischer Sicht ausgewogen weitergegeben werden.

– dass Eltern, Pädagogen und Politiker gemeinsam nach der besten Lösung suchen und keine Gruppe ausgeschlossen wird.

Ich werde die weitere Diskussion mit Interesse verfolgen und hoffe, dass die Lösung, wie auch immer sie aussehen wird, nicht nur „schöngeredet“ sondern auch wirklich gut ausgestaltet und ausgestattet wird; im Sinne der bestmöglichen Ausbildung aller Kinder.


Burgwedel, 15.01.11

Olaf Slaghekke



Verfasst am 15.01.2011 um 21:27 Uhr von mit den Stichworten .

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